Was war die ursprüngliche Idee der Public Houses? Welche ungeschriebenen Gesetze gelten beim Bestellen und Bezahlen? Eine Spurensuche zu den Anfängen – mit Tipps für die Gegenwart.

Das Raven Ale schimmert bernsteinfarben. Wie flüssiges Gold fließt es vom Zapfhahn in die Gläser, die im Sekundentakt über den Tresen des Helgi’s in Kirkwall gehen. Der Weg des Biers bis in diese Pub-Berühmtheit war nicht weit: Es stammt aus der nahen Orkney Brewery. Wer im Helgi’s den Blick schweifen lässt, kann zudem in vergangene Zeiten eintauchen. Kirkwall war einst eine stolze Wikingerhochburg – kleine Illustrationen auf den Speisekarten erinnern daran.

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Was war die ursprüngliche Idee der Public Houses? Welche ungeschriebenen Gesetze gelten beim Bestellen und Bezahlen? Eine Spurensuche zu den Anfängen – mit Tipps für die Gegenwart.

Das Raven Ale schimmert bernsteinfarben. Wie flüssiges Gold fließt es vom Zapfhahn in die Gläser, die im Sekundentakt über den Tresen des Helgi’s in Kirkwall gehen. Der Weg des Biers bis in diese Pub-Berühmtheit war nicht weit: Es stammt aus der nahen Orkney Brewery. Wer im Helgi’s den Blick schweifen lässt, kann zudem in vergangene Zeiten eintauchen. Kirkwall war einst eine stolze Wikingerhochburg – kleine Illustrationen auf den Speisekarten erinnern daran.

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Pub-Kultur damals und heute

Urige Pubs finden sich natürlich nicht nur auf den Orkneyinseln. Was alle eint, ist gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre – und immer wieder schallt es Slàinte mhath (ausgesprochen: slaantsche wa) durch die Runde, was so viel heißt wie: Gute Gesundheit! In der Tat verfolgten die Public Houses in ihren Anfängen zunächst ein verantwortungsvolles Ziel. Einflussreiche Brauereibesitzer wollten eine Art „nüchternere“ Variante für die in der viktorianischen Zeit weit verbreiteten Gin Shops ins Leben rufen. Alkohol sollte in Pubs weniger ausschweifend konsumiert und dadurch gesellschaftsfähig werden.

Pub-Kultur damals und heute

Urige Pubs finden sich natürlich nicht nur auf den Orkneyinseln. Was alle eint, ist gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre – und immer wieder schallt es Slàinte mhath (ausgesprochen: slaantsche wa) durch die Runde, was so viel heißt wie: Gute Gesundheit! In der Tat verfolgten die Public Houses in ihren Anfängen zunächst ein verantwortungsvolles Ziel. Einflussreiche Brauereibesitzer wollten eine Art „nüchternere“ Variante für die in der viktorianischen Zeit weit verbreiteten Gin Shops ins Leben rufen. Alkohol sollte in Pubs weniger ausschweifend konsumiert und dadurch gesellschaftsfähig werden.

Ein Ort der Ausgelassenheit

Musiker fiedeln in Trad Sessions mit dem Akkordeon um die Wette. Lokale Neuigkeiten und politische Ansichten werden lautstark diskutiert. Touristen lernen in Pubs die ersten Brocken Gälisch oder Scots. Und auch die Damenwelt ist mittlerweile herzlich willkommen – aber das hat gedauert. In den Anfängen mussten sie sogar auf ihre oft angetrunkenen Männer vor der Tür warten. Später gab es dann separate Räume innerhalb der Pubs, in denen sie ihre Bestellungen aufgeben konnten – viele davon sind noch heute existent. Aber spätestens seit dem „Equal Status Act“, der im Jahr 2000 Diskriminierungen in öffentlichen Einrichtungen untersagte, ist Schluss mit dem Pub als reine Männerdomäne. Auch eine andere Tradition hatte kurze Zeit später ihren Schlusspunkt: Beinahe widerstandslos wurde das von Irland 2004 initiierte Rauchverbot von schottischen Pub-Besitzern übernommen.

Ein Ort der Ausgelassenheit

Musiker fiedeln in Trad Sessions mit dem Akkordeon um die Wette. Lokale Neuigkeiten und politische Ansichten werden lautstark diskutiert. Touristen lernen in Pubs die ersten Brocken Gälisch oder Scots. Und auch die Damenwelt ist mittlerweile herzlich willkommen – aber das hat gedauert. In den Anfängen mussten sie sogar auf ihre oft angetrunkenen Männer vor der Tür warten. Später gab es dann separate Räume innerhalb der Pubs, in denen sie ihre Bestellungen aufgeben konnten – viele davon sind noch heute existent. Aber spätestens seit dem „Equal Status Act“, der im Jahr 2000 Diskriminierungen in öffentlichen Einrichtungen untersagte, ist Schluss mit dem Pub als reine Männerdomäne. Auch eine andere Tradition hatte kurze Zeit später ihren Schlusspunkt: Beinahe widerstandslos wurde das von Irland 2004 initiierte Rauchverbot von schottischen Pub-Besitzern übernommen.

Was bleibt, sind Genuss und Geselligkeit

Zu erleben zum Beispiel im besagten Helgi’s auf den Orkneyinseln oder in der berühmten The Lounge Bar in Lerwick auf den Shetlandinseln. Hier soll sogar schon Elvis Costello gejammt haben – und nicht nur der. Die Bar ist zum Hotspot für die lokale Musikszene avanciert und hat bereits den Best Session Pub Award gewonnen. Aber auch die vielen kleinen, unscheinbaren Pubs in den Nebenstraßen schottischer Dörfer verzaubern immer wieder mit intimen wie mitreißenden musikalischen Momenten. Ein Pub-Besuch bedeutet definitiv mehr als nur Biertrinken.

Was bleibt, sind Genuss und Geselligkeit

Zu erleben zum Beispiel im besagten Helgi’s auf den Orkneyinseln oder in der berühmten The Lounge Bar in Lerwick auf den Shetlandinseln. Hier soll sogar schon Elvis Costello gejammt haben – und nicht nur der. Die Bar ist zum Hotspot für die lokale Musikszene avanciert und hat bereits den Best Session Pub Award gewonnen. Aber auch die vielen kleinen, unscheinbaren Pubs in den Nebenstraßen schottischer Dörfer verzaubern immer wieder mit intimen wie mitreißenden musikalischen Momenten. Ein Pub-Besuch bedeutet definitiv mehr als nur Biertrinken.

Von Pub Grub bis Schafsmagen

So legendär und beliebt die Briten für ihre Pub-Kultur sind, so berüchtigt sind auch ihre Speisekarten. Pub Grub, also einfaches Fast Food wie Burger und Co., sind eher die Regel als die Ausnahme. Die gute Nachricht: Auch in Pubs können Besucher mittlerweile köstlich speisen. Am besten halten Sie dafür nach zweistöckigen Varianten Ausschau. In diesen sogenannten „Gastropubs“ gibt es unten Bier und Cocktails, während oben leckere Speisen angeboten werden wie zum Beispiel das schottische Nationalgericht Haggis. Fleisch, Brötchen, Gewürze, Eier und Mehl werden dabei zu einer Masse verrührt und im Schafsmagen gekocht.

Von Pub Grub bis Schafsmagen

So legendär und beliebt die Briten für ihre Pub-Kultur sind, so berüchtigt sind auch ihre Speisekarten. Pub Grub, also einfaches Fast Food wie Burger und Co., sind eher die Regel als die Ausnahme. Die gute Nachricht: Auch in Pubs können Besucher mittlerweile köstlich speisen. Am besten halten Sie dafür nach zweistöckigen Varianten Ausschau. In diesen sogenannten „Gastropubs“ gibt es unten Bier und Cocktails, während oben leckere Speisen angeboten werden wie zum Beispiel das schottische Nationalgericht Haggis. Fleisch, Brötchen, Gewürze, Eier und Mehl werden dabei zu einer Masse verrührt und im Schafsmagen gekocht.

Die Schotten zeigen aber auch auf anderen Gebieten ihre Kreativität. Wohl kaum ein anderes Volk würde auf die Idee kommen, ein Getränk wie Snake Venom zu kreieren: ein Bier mit stolzen 67,5 Vol.-% Alkohol. Damit übertrifft Snake Venom sogar die meisten schottischen Whiskys. Erreicht wird dieser Rekordwert übrigens durch einen Kunstgriff während der Gärung: Das Bier wird quasi eingefroren, wobei nur der Wasseranteil gefriert, nicht der Alkohol. Fragen Sie gern bei Ihrem nächsten Pub-Besuch nach diesem Bier – aber Vorsicht: Das Bier trägt seinen Namen zu Recht!

Die Schotten zeigen aber auch auf anderen Gebieten ihre Kreativität. Wohl kaum ein anderes Volk würde auf die Idee kommen, ein Getränk wie Snake Venom zu kreieren: ein Bier mit stolzen 67,5 Vol.-% Alkohol. Damit übertrifft Snake Venom sogar die meisten schottischen Whiskys. Erreicht wird dieser Rekordwert übrigens durch einen Kunstgriff während der Gärung: Das Bier wird quasi eingefroren, wobei nur der Wasseranteil gefriert, nicht der Alkohol. Fragen Sie gern bei Ihrem nächsten Pub-Besuch nach diesem Bier – aber Vorsicht: Das Bier trägt seinen Namen zu Recht!

Gut zu wissen

• Sagen Sie bei der Bestellung genau, welches Bier Sie in welcher Größe wünschen, also zum Beispiel „One Pint of Raven Ale“. Zur Orientierung: Ein Pint sind 0,568 Liter, ein Half Pint knapp 0,3 Liter.

• Fragen Sie gern nach einem Whisky-Probierschluck – einem wee dram –, um den richtigen Tropfen für sich zu finden.

• Es gilt das ungeschriebene Gesetz: „Erst bezahlen, dann das Bierglas berühren!“ Bestellt und bezahlt wird immer direkt an der Theke.

• Sie wollen Trinkgeld geben? Dann sagen Sie einfach „one for yourself“ – und der Barkeeper trinkt bei nächster Gelegenheit einen mit.

• Ganz wichtig: Wenn in einem Pub ein Toast auf das Königshaus ausgesprochen wird, stehen alle auf. Am besten Sie auch.

• Einzeln bezahlen ist nicht üblich. Wechseln Sie sich lieber mit der Übernahme der Runden ab.

TEXT Martin Witt

Gut zu wissen

• Sagen Sie bei der Bestellung genau, welches Bier Sie in welcher Größe wünschen, also zum Beispiel „One Pint of Raven Ale“. Zur Orientierung: Ein Pint sind 0,568 Liter, ein Half Pint knapp 0,3 Liter.

• Fragen Sie gern nach einem Whisky-Probierschluck – einem wee dram –, um den richtigen Tropfen für sich zu finden.

• Es gilt das ungeschriebene Gesetz: „Erst bezahlen, dann das Bierglas berühren!“ Bestellt und bezahlt wird immer direkt an der Theke.

• Sie wollen Trinkgeld geben? Dann sagen Sie einfach „one for yourself“ – und der Barkeeper trinkt bei nächster Gelegenheit einen mit.

• Ganz wichtig: Wenn in einem Pub ein Toast auf das Königshaus ausgesprochen wird, stehen alle auf. Am besten Sie auch.

• Einzeln bezahlen ist nicht üblich. Wechseln Sie sich lieber mit der Übernahme der Runden ab.

TEXT Martin Witt